„Mir ist grad nicht nach Jauchzet, frohlocket! zumute.“ Vier Fragen an das Weihnachtsoratorium

Vor drei Jahren hat der Oratorienchor Pirmasens Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium unter der Leitung von Helfried Steckel aufgeführt. Am 28. November soll es unter dem Dirigat von Chrisoph Haßler erneut erklingen.

1. Welche der sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums hat Bach für den Advent komponiert?
Keine. Es war der Wille des Komponisten, dass der Reigen der Aufführungen nicht vor dem 1. Weihnachtsfeiertag beginnen sollte. Die ersten zwei Kantaten hatte Bach für die Gestaltung der Gottesdienste an den beiden Weihnachtsfeiertagen komponiert. Kantate 3 wurde am 27. Dezember, dem Tag des Apostels Johannes, aufgeführt. Die vierte Kantate, die die Namensgebung Jesu besingt, sollte am Neujahrstag musiziert werden. Die letzten beiden Kantaten schließlich waren für den 2. Januar und den Dreikönigstag, den 6. Januar, vorgesehen.

2. Gibt es also einen roten Faden durch alle sechs Kantaten?
Obwohl es also zu Bachs Zeiten nicht üblich war, das Oratorium an einem Abend aufzuführen, handelt es sich doch um ein Gesamtwerk, das durch die Weihnachtsgeschichten des Lukas- und des Matthäusevangeliums gegliedert ist.

3. Mir ist diesen COVID-Herbst so gar nicht nach „Jauchzet, frohlocket!“ zumute. Was soll ich tun?
Im November 2021 haben die Pandemiesorgen wieder zugenommen. Das belastet. Doch in der Zeit des Barock, in der das Weihnachtsoratorium komponiert wurde, waren die Gefahren von Krankheiten und Krisen sehr präsent. Wenn das Weihnachtsoratorium in den Gottesdiensten der Stadt Leipzig dennoch erklang, war das ein gesungener Protest gegen die Depression: „Lasset das Zagen, verbannet die Klage!“

4. Welche Geschichte wird in Kantate 1 erzählt?
Es ist die Geschichte der Geburt Jesu, so wie sie im Lukasevangelium überliefert ist. Das Kind wird in dunkler und schwerer Zeit und in Armut geboren. Die Jauchzet-Frohlocket-Kantate 1 des Weihnachtsoratorium passt also ganz gut in die Zeit der Sorgen der Gegenwart.

„Es begab sich aber …“ aus: Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium, Kantate 1
La Petite Bande, Sigiswand Kuijken

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