Christoph Haßler: Wie der Neuanfang nach der Krise gelingen kann

Noch sind weder Chorproben noch Konzerte in klassicher Form möglich. Doch der Oratorienchor Pirmasens schaut nach vorne. Zum 1. März beginnt der neue Chorleiter Christoph Haßler seine Arbeit. Wie stellt er sich den Wiedereinstieg nach der Pandemie vor? Welche Rolle spielt dabei die Digitalität? Den beiden Vorsitzenden Ulrike Hohmann-Lütvogt und Horst Heller hat er schon mal ein Interview gegeben – natürlich auf digitalem Wege.

Christoph Haßler

Vom 1. März sind Sie musikalischer Leiter des Oratorienchors Pirmasens. Erzählen Sie uns von Ihrer ersten und Ihrer letzten Begegnung mit dem Chor!

Meine erste Begegnung liegt lange zurück. Ich war noch Schüler auf dem Kant Gymnasium. Helfried Steckel war mein Musiklehrer. Ich spielte Geige in dem von ihm geleiteten Schulorchester und sang in seinem Schulchor. Er warb bei seinen Schülerinnen und Schülern auch für die Unterstützung bei bestimmten Konzertprojekten des Oratorienchores. Ich sang Mitte der 80er – noch vor meinem Stimmwechsel – im Alt Haydns „Jahreszeiten“ mit.
Meine letzte Begegnung mit dem Oratorienchor war beim „Weihnachtsoratorium für Kinder“ im Dezember 2018. Da habe ich vom Zuschauerraum aus synchron zu Helfried Steckel auf der Bühne die Kinder aus den Pirmasenser Grundschulen dirigiert.

Sie leiten bereits mehrere Chöre und sind auch beruflich als Fachleiter und Grundschullehrer gefordert. Warum haben Sie sich entschlossen, zusätzlich die musikalische Leitung des Oratorienchors zu übernehmen?

Als mich die Anfrage erreichte, den Oratorienchor zu übernehmen, haben wir uns im familiären Kreis ausgetauscht und intensiv darüber nachgedacht. Es gab einige Gespräche mit Vilja und Helfried Steckel, die mich letztendlich überzeugten.
Unter anderem ist auch die Literatur, die der Oratorienchor singt, für meine Entscheidung ausschlaggebend. Die Leitung eines gemischten Chores mit dieser Ausrichtung und Tradition ist für mich eine sehr reizvolle Aufgabe und eine Erfahrung, die ich bisher als Dirigent noch nicht machen durfte.

Welche Art von Konzertliteratur und von Konzerten schweben Ihnen mit dem Oratorienchor vor?

Ich möchte auch weiterhin die traditionelle Oratorienliteratur aus verschiedenen Epochen auf die Bühne bringen. Der Oratorienchor ist ein Träger musikalischer Kultur in der Region. Das unter normalen Bedingungen jährlich stattfindende große Konzert ist ein Aushängeschild für die Stadt Pirmasens und zieht viele Menschen in die Festhalle. Deshalb ist es auch wichtig, überwiegend bekannte Stücke aufzuführen. Ich möchte an dieser Tradition festhalten.

Was sind Ihre drei Lieblingskomponisten der klassischen Chormusik und Ihre drei liebsten Chorwerke und Oratorien?

Das kann ich eigentlich nicht konkret beantworten, weil jedes Werk der klassischen Chormusik in seiner eigenen Art wunderbare Musik ist. Ich nenne einmal Bach, Brahms, Mendelssohn und Mozart. Das ist eine alphabetische Reihenfolge, keine Rangfolge. Meine Lieblingsoratorien dieser Komponisten sind: Bachs Messe in h-moll und seine Johannespassion, Brahms’ Deutsches Requiem, Mendelssohns Elias, sein Lobgesang, Mozarts Messe in c-moll und sein Requiem.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Pandemie und die Perspektiven für Chöre wie den Oratorienchor ein?

Die Pandemie ist eine chormusikalische Katastrophe. Es ist nicht selbstverständlich, diese Zeit zu überstehen und als intakter Chor aus der Krise herauszugehen. Man sollte ALLES dafür tun, um die Zeit möglichst lebendig zu überbrücken. Die Stärkung der Gemeinschaft ist dabei oft noch wichtiger als die musikalischen Fragen. Ich befürchte, dass vielleicht nicht alle Chöre diese Zeit „ohne Schaden“ überstehen werden und dass Chöre erst im letzten Drittel der Lockerungsschritte berücksichtigt werden. Wenn es früher geschieht, wäre ich natürlich überglücklich und sehr froh.

In welchen Schritten planen Sie den Weg zurück zu einer normalen Probenarbeit und zu Konzertprojekten mit dem Oratorienchor?

Am Anfang stehen natürlich erst einmal ein Kennenlernen und Austauschen. Dann gilt es, gemeinsam Mut zu fassen und auch im digitalen Format schrittweise zum Singen zurückzufinden. Ich befürchte, dass viele Chöre durch die lange Pause beispielsweise an Klang verlieren; auch das aufeinander Hören muss wieder geschult und geübt werden. Dies ist digital leider noch nicht optimal möglich.
Mit einem Vorlauf, indem wir einige Übungen, Lieder etc. singen, um die Singstimmen zu aktivieren, sollten wir aber direkt starten, wenn es mit richtigen Proben wieder losgehen darf.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich sollte die musikalische Leitung des Oratorienchores im Oktober 2020 übernehmen. Jetzt beginne ich digital im März 2021, noch immer inmitten der Pandemie. Ich freue mich auf die erste „reale“ Probe und darauf, wieder vor singenden Menschen zu stehen und vor allem gemeinsam zu musizieren.


Ein Gedanke zu “Christoph Haßler: Wie der Neuanfang nach der Krise gelingen kann

  1. UPS: mit meiner Bitte habe ich die warm ups für die Singstimme gemeint; nicht die Kontakte und Kommentare der Mitglieder.😊

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