Die Sinfonie, die mit einem Dominantseptakkord beginnt: Beethovens Erste, eine charmante Provokateurin – Unser Beethovenjahr (1/9)

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Das hatte es noch nicht gegeben. Die Sinfonie Nr. 1 in C-Dur beginnt, als wäre die erste Seite der Partitur verloren gegangen, mit einem Forte-Akkord in der Dominante. Dieser löst sich zögerlich auf. So bleibt die Tonart des ersten Satzes zunächst im Unklaren. Der musikalisch Gebildete ahnt sie, aber sicher kann er erst sein, als das Thema mit der Tempobezeichnung Allegro con brio beginnt. Hier zitiert – oder parodiert – Beethoven eine revolutionäre Melodie, die im Umfeld Napoleons gespielt wurde, zum Beispiel von Rodolphe Kreutzer, dem Sologeiger in Napoleons Privatkapelle, dem er zwei Jahre später die berühmte Kreutzersonate widmen sollte.

Trotz dieser Provokationen, mit denen der junge Komponist die Hörgewohnheiten des Wiener Publikums strapazierte, wurde die Uraufführung am 2. April 1800 ein Erfolg. Beethoven hatte sie in der Musikalischen Akademie im k. u. k. Nationalhoftheater selbst geleitet. Die Leipziger Allgemeine Musikalische Zeitschrift schrieb: Das war wahrlich die interessanteste Akademie seit langer Zeit (zitiert nach Büning S. 103).

Die OCPS-Höraufgabe:
Der 4. Satz beginnt mit einigen mit äußerster Vorsicht gespielten und zunächst unvollständigen Adagio-Melodiebögen. Doch dann beginnt das Orchester zu tanzen: Allegro molto e vivace

Das Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung von Claudio Abbado (1996)

Quoting Beethoven – Was der Komponist selbst schreibt
In einem Brief vom 15. Januar 1801 dient Beethoven seinem Verleger Franz Anton Hofmeister in Leipzig vier neue Werke an: das Klavierkonzert op. 19, das Septett op. 20, seine Sinfonie Nr. 1 op. 21 und die Klaviersonate op. 22. Für alle vier Werke erbittet er zusammen 70 Dukaten:
Was nun unsere eigentliche[n] Geschäfte anbelangt, weil sie es nun so wollen, so sei ihnen hiemit gedient, für jetzt trage ich ihnen folgende Sachen an: Septett, (wovon ich ihnen schon geschrieben) 20 Dukaten, Sinfonie 20 Dukaten, Concert 10 Dukaten, Große Solosonate 20 Dukaten … Ich glaube nicht, dass Ihnen dieses übertrieben scheint … Wenigstens habe ich mich bemüht, Ihnen so mäßig als möglich die Preise zu machen. Die ganze Summe wäre also 70 Dukaten für alle 4 Werke. Ich verstehe mich auf kein anderes Geld als Wiener Dukaten, wie sich das bei Ihnen Thaler und Gulden macht, das geht mich alles nichts an, weil ich wirklich ein schlechter Negociant und Rechner bin. (Quelle)

Beethoven Eins – mal anders:
10 Bläser und 1 Kontrabass interpretieren die 1. Sinfonie Beethovens. Absolut hörenswert!

University of Michigan Symphony Band – Wäre der Dirigent verzichtbar gewesen?

Literatur
Eleonore Büning, Sprechen wir über Beethoven. Ein Musikverführer, Salzburg und München 2018
Michael Ladenberger (Hg), Beethoven zum Vergnügen, Ditzingen 2020

Unser Beethovenjahr auf www.oratorienchor-ps.de

18.06.2020: Die Sinfonie, die mit einem Dominantseptakkord beginnt. Beethovens Erste – eine charmante Provokateurin – Unser Beethovenjahr (1/9)

25.06.2020: „Der angestochene Lindwurm, der nicht ersterben wollte.“ Beethoven Zweite – Unser Beethovenjahr (2/9)

02.07.2020: Die „Sinfonia grande“, auf deren Deckblatt jemand heftig radiert haben muss: Beethovens Eroica – Unser Beethovenjahr (3/9)

09.07.2020: War Beethovens Metronom in Reparatur? Das Rätsel um das teuflische Tempo im Schlusssatz von Beethovens Vierter – Unser Beethovenjahr (4/9)

23.07.2020: „Da – da – da – daaaa!“ Das vielleicht bekannteste Motiv der Musikgeschichte und die nationalsozialistische „Kultur“-Politik: Beethovens Fünfte – Unser Beethovenjahr (5/9)

30.07.2020: „Noch 10 Minuten, dann sind wir fertig.“ Warum Joseph Stielers Beethoven-Portrait bis heute nachwirkt.

06.08.2020: Tonmalerei galt als Todsünde des Komponierens. Beethoven war das egal. Für Götter galten solche Regeln nicht. Beethovens Sechste, die Pastorale – Unser Beethovenjahr (6/9)

23.08.2020: The King’s Speech und die Sprechhemmungen des Königs: Beethovens Siebte – Unser Beethovenjahr (7/9)

10.09.2020: Die Gute-Laune-Sinfonie zwischen den Titanen: Beethovens Achte – Unser Beethovenjahr (8/9)

01.10.2020: Freude schöner Götterfunken: Bis 1990 verlief die innerdeutsche Grenze genau bei Takt 697 der Ode an die Freude: Beethovens Neunte – Unser Beethovenjahr (9/9)


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