Wir erinnern uns gern an G. B. Pergolesis Stabat Mater am Karfreitag 2019

Giovanni Battista Pergolesi schrieb sein Stabat Mater für Sopran, Alt, Streicher und Basso Continuo im Winter 1736 im Franziskanerkloster von Pozzuoli bei Neapel. Dorthin hatte er sich der Musiker zurückgezogen, weil er Heilung von der Tuberkulose suchte, an der er im Spätjahr des Jahres 1735 erkrankt war. In den Schwefelbädern der süditalienischen Hafenstadt hatten schon römische Kaiser Heilung gesucht. Doch dem Komponisten war ihm eine Genesung nicht beschieden. Am 16. März 1736 erlag er seinem Leiden im jugendlichen Alter von nur 26 Jahren und wurde auf dem Friedhof des Klosters beigesetzt, das während seiner Krankheit seine Wohnstätte gewesen war.

Das Stabat Mater, das auf dem Krankenlager in Pozzuoli entstand, ist das letzte vollendete Werk des bereits schwer Erkrankten. Zwar handelte es sich um eine Auftragskomposition, aber durch das Leiden des Komponisten fällt ein besonderes Licht auf diese geistliche Komposition. Das mittelalterliche Gedicht Stabat mater dolorosa drückt den Schmerz Marias aus, die, unter dem Kreuz stehend, das Leiden und Sterben ihres Sohnes ansehen muss. Der Gläubige bewundert ihren Glauben, er leidet mit ihr und erfleht zugleich ihre Zuwendung. Im Angesicht des bevorstehenden Todes Pergolesis hat dieses Gebet eine besondere existentielle Note.

Sein früher Tod beendete eine nur fünf Jahre währende steile musikalische Karriere, die ihn aus der mittelitalienischen Region Marken nach Neapel und Rom gebracht hatte. Dort hatte er mehrere Kapellmeisterstellen inne und war Hoforganist. Seine Opern hatten ihm bereits großen Ruhm eingebracht. Aber auch mehrere Messen, Oratorien, Konzerte und Kammermusik hatte er bereits geschrieben. Er galt als begnadeter Komponist aller Gattungen, der seinen Zenit noch lange nicht erreicht hatte.

Giovanni Battista Pergolesi: Stabat Mater – mit Anna Netrebko (Sopran) und Marianna Pizzolato (Mezzosopran) und der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Ltg.: Bertrand de Billy

Dieses mittelalterliche Gedicht, das heute fast vollständig aus der katholischen Liturgie verschwunden ist, ist viele Male vertont worden, unter anderem von Scarlatti, Haydn, Schubert, Liszt, Penderecki und – gleich zweimal – von Josef Gabriel Rheinberger. Pergolesi hat es für die Stimmen zweier Kastraten geschrieben. Es ist dem Werk eine Unmittelbarkeit des Gefühls zu eigen, der sich niemand entziehen kann.

Pergolesis Stabat Mater erinnert phasenweise an seine weltlichen Kompositionen, weshalb es zunächst nicht unumstritten war. Schon bald aber setzte es sich durch und erfuhr zahlreiche Bearbeitungen. Es ist heute sein bekanntestes und am häufigsten aufgeführtes Werk. Im Zuge der historischen Aufführungspraxis erklingt es heute in der Regel in der Originalfassung.


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