Händel führte seinen Messias in der Osterzeit auf. Heute erklingt das Oratorium oft in der Weihnachtszeit. Ist das angemessen?

In Pirmasens wurde der Messias am Ersten Adventssonntag des Jahres 2019 aufgeführt. Händel selbst bevorzugte die Passions- und Osterzeit als geeignete Kirchenjahreszeit für seinen Messiah. Er erachtete den zweiten Teil (Part the second) des Oratoriums, der mit alttestamentlichen Bibelstellen die Bedeutung von Jesu Tod und Auferstehung für die kirchliche Lehre seiner Zeit darlegt, als den zentralen Inhalt seiner Komposition.

Teil 1 (Part the first) beschäftigt sich hingegen mit der Prophezeihung des kommenden Messias, mit der Geburt Jesu und der Weihnachtsgeschichte. Er zitiert ausführlich die Worte der Engel an die Hirten (Lukas 2). Eine Reihe von sehr bekannten Arien und Chören des Messias gehört zu diesem Teil: Comfort ye My people, For unto us a Child is born und He shall feed his flock. Deswegen erklingt der Messias heute sehr oft in der Adventszeit.

Wann sollte das Oratorium sinnvollerweise aufgeführt werden? Da der Messias keine Kirchenmusik im strengen Sinn sein will, sind Konzertveranstalter in dieser Frage nicht festgelegt wie beispielsweise bei Bachs Passionen, die in die kirchliche Fasten- oder Passionszeit gehören. Selbst eine Aufführung des Messias im November ist im Blick auf seinen Teil 3 (Part the third), der von der Erlösung, der Auferstehung der Toten und dem Weltgericht handelt, denkbar.

Eher eine theoretische Möglichkeit ist eine in der Literatur erwogene Dreiteilung des Oratoriums. Sie schlägt vor, Teil 1 in der Advents- oder Weihnachtszeit, Teil 2 in der Osterzeit und Teil 3 am Ende des Kirchenjahres aufzuführen. Hintergrund dieser Überlegung ist auch, dass der Messias ungekürzt mit einer Aufführungszeit von fast drei Stunden die Hörgewohnheiten unserer Zeit herausfordert. Händel hat seine Komposition zwar viele Male überarbeitet. Eine solche Zerlegung hat er aber nie praktiziert. Für ihn gehörten Geburt, Kreuz, Auferstehung Jesu und die Erlösung als zentrale Begriffe der Heilsgeschichte zusammen. Eine Teilung hätte er sicher ausgeschlossen. Auch enthält der Messias nur eine Ouvertüre (Symphony) zu Beginn des gesamten Werks. Eine getrennte Aufführung ist deshalb auch musikalisch nicht möglich.